Letzte Änderung: 20. August 2019

Forschung

Interessensgebiete

 

 

Laufende Forschungsprojekte

 

 

» Rechtswissenschaftskulturen in Indien und Europa

Drittmittelprojekt gefördert durch den DAAD

Die Steuerung gesellschaftlicher Prozesse zur Erreichung gemeinwohlorientierter Ziele ist das Anliegen jedes Gemeinwesens. Welche Rolle das Recht in diesem Steuerungsprozess spielt, ist abhängig nicht nur vom Inhalt des Rechts, sondern auch (und vielleicht noch entscheidender) von den konkreten Rechts- und auch Rechtswissenschaftskulturen jeder Gesellschaft. Solchen Rechts- und Rechtswissenschaftskulturen in Indien und Deutschland und ihrer Relevanz für die Steuerung gesellschaftlicher Prozesse nachzugehen ist die zentrale Idee eines vielschichtigen Kollaborationsprojekts, das ab Juli 2019 am Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsvergleichung (Professor Dr. Philipp Dann) durchgeführt und vom DAAD umfangreich gefördert wird. Fast vier Jahre lang wird das Projekt den Austausch von Studierenden, Promovierenden und das gemeinsame Lehren zwischen der HU und drei indischen Partneruniversitäten ermöglichen und als Rahmen für einen vielstimmigen Forschungs- und Verständigungsprozess nutzen.

Das Projekt knüpft an langjährige Kooperationen mit drei indischen Universitäten an und wurde in enger Zusammenarbeit mit ihnen ausgearbeitet: der Azim Premji University (APU) in Bangalore, der National Law University Delhi (NLUD) und der Jindal Global Law School (JGLS) im Umland von Delhi. Die drei Universitäten sind besonders attraktive Partnerinstitutionen, weil sie einen interdisziplinären Ansatz in ihrer Rechtsausbildung und Forschung verfolgen. Es ergänzt zudem bereits bestehende, von Professor Dann geleitete Projekte mit Indien-Schwerpunkt, wie die Workshop-Reihe des Indian European Advanced Research Networks (IEARN) oder jährliche Kurzzeitstipendien für indische Nachwuchswissenschaftler*innen, die seit mehreren Jahren für Forschungsaufenthalte an die HU kommen.

Das gemeinsame Projekt, deren wissenschaftliche und organisatorische Koordination von Tanja Herklotz übernommen werden wird, soll den Austausch zwischen der indischen und deutschen Rechtswissenschaft inhaltlich vorantreiben, personell erweitern und institutionell verstetigen. Es soll Formate schaffen, die es für den wissenschaftlichen Austausch mit anderen Ländern längst gibt. Dazu fußt es auf vier Säulen: einem Austauschprogramm, das Studierende, Promovierende und Lehrende an die HU einlädt und Studierenden und Promovierenden der HU mehrmonatige Forschungsaufenthalte an den indischen Partnerinstitutionen ermöglicht; jährlichen Workshops an einer der vier Partneruniversitäten; der Entwicklung und Unterrichtung gemeinsamer Lehrmodule und schließlich einem Postdoc-Forschungsprojekt, das sich vergleichend mit Rechtswissenschaftskulturen in Indien und Europa auseinandersetzen wird.

 

» 'Transformative Constitutionalism' and the Borderlines of Liberalism

Gefördert vom Exzellenzcluster SCRIPTS

The project aims to analyse non-liberal conceptualizations of social transformation and their relationship to the liberal script. It takes the concept of transformative constitutionalism (TC) as a central site for the articulation of a non-liberal vision of (future) order – with a particular interest in its role in India and the Global South more generally. It takes TC as an entry point to investigate alternatives to the liberal script as they emerge in the Global South. We seek to focus on alternatives that are non-liberal rather than illiberal. Whereas illiberal conceptualisations of social and political order constitute a direct attack on core principles of the liberal script, non-liberal alternatives exist on the borderline between the liberal script and its explicit contestants. Grounded in different philosophical traditions and cosmologies, non-liberal conceptualizations might differ in the ways they think about the self and society, time and space, stability and change etc, but they are not necessarily incompatible with the core normative aspirations of the liberal script. Our research project starts from the assumption that notions of TC constitute a privileged site for the reconstruction of such non-liberal conceptualisations of social and political order.

Das Projekt wird gemeinsam mit Professor Dr. Tobias Berger (FU Berlin) durchgeführt. 

 

» 'Transformative Constitutionalism and the Varieties of Constitutionalism' - Indo-European Workshop Series

Finanziert vom IEARN

In recent years, the concept of Transformative Constitutionalism has become familiar to constitutional scholars in many jurisdictions. It is one of the rare academic concepts to have travelled beyond academic publications to find place in judicial discourse (with the South African Constitutional Court and the Indian Supreme Court having invoked it substantively) as well as constitutional scholarship.  

In a series of three workshops, taking place from 2019 to 2021, we will probe how the concept of ‘Transformative Constitutionalism’ can be understood as a broader project beyond those that have so far been identified with it, in particular to interrogate conceptions of constitutionalism in India and the EU. We believe that when viewed comparatively, the concept will be better examined and understood, and may well help facilitate a broader understanding of concepts of constitutionalism more broadly.  

The workshops continue an earlier series of meetings between Indian and European scholars on law, politics and constitutionalism, which interrogated the concepts of democracy in India and the EU against the background of the societal diversity of these polities. We believe that this project on Transformative Constitutionalism will help us advance that larger project by focusing on contemporary issues that pose fundamental challenges to the concept of constitutionalism in our times. Part of the project’s goal will be to identify further areas where the concept of Transformative Constitutionalism can be fruitfully employed and to explore the feasibility of doing so in individual European nations and/or the EU as a whole. Beyond this comparative exercise, our goal will also be to fundamentally probe the concept and raise questions about its viability and tenability.

The workshops do not so much aim for formal comparison but of “comparing notes”. We do not aim for “country reports” but want to structure our discussions more around issues. Listening in to (or sometimes irritating) the conversations of others can be not just fascinating but immensely enriching. Engaging scholars into explorative discussions and thereby providing insights into the state of art of their respective debates seems more important to us than producing concrete but perhaps rather brittle results. 

The workshop series brings together mainly constitutional scholars from both continents and is organized in cooperation with Prof. Arun Thiruvengadam (Azim premji University / Bangalore) and Prof. Jürgen Bast (Giessen University). 

 

» (Post-)Koloniale Rechtswissenschaftsgeschichte

Das Projekt (post)koloniale Rechtswissenschaftsgeschichte in Deutschland möchte eine Forschungslücke füllen, die in einer unzureichenden Befassung mit dem deutschen Kolonialrecht und der Kolonialrechtswissenschaft besteht. Eine Gruppe von rund 20 Forscherinnen und Forschern aus Deutschland untersuchen anhand von unterschiedlichen Themen und Rechtsgebieten, wie das Recht und die Rechtswissenschaft den deutschen Kolonialismus mit konstituiert haben, wie die Rechtswissenschaft das Kolonialrecht rezipiert, integriert, konzeptualisiert, legitimiert oder etwa auch kritisiert hat. Darüber hinaus soll das Projekt auch die Zeit nach dem deutschen Kolonialismus in den Blick nehmen. Es soll ermitteln, welche Kontinuitäten Recht und Rechtswissenschaft der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus und der Bundesrepublik Deutschland zum deutschen Kolonialrecht und seiner Rechtswissenschaft aufweisen. Wir denken an Kontinuitäten in rechtlichen Strukturen, dogmatischen Figuren, Begrifflichkeiten, Theoremen und rechtswissenschaftlichen Diskursen. Dieses Projekt und anderer Arbeiten zu diesem Themenkomplex sollen dazu beizutragen, die Bedeutung des deutschen Kolonialismus für die deutsche Rechtswissenschaft und heutige rechtliche Strukturen besser einschätzbar zu machen. Da das Kaiserreich für das deutsche Recht bekanntlich eine eminent prägende Epoche war, vermuten wir größere Kontinuitäten, Pfadabhängigkeiten und bis heute nachweisbare Spuren als bislang allgemein angenommen wurde. Die hierauf aufbauende Frage ist die nach einer reflexiven, ihrer Ursprünge bewussteren „postkolonialen“ deutschen Rechtswissenschaft.  

Das Projekt zielt auf die Publikation eines gemeinsamen Bandes und wird in Zusammenarbeit mit Prof. Isabel Feichtner (Würzburg) und Prof. Jochen von Bernstorff (Tübingen) durchgeführt. Ein erster Workshop fand im Mai 2019 statt, ein zweiter ist für den Herbst geplant. Die Publikation des Bandes planen wir für 2020.  

 

» Recht und Governance der Entwicklungszusammenarbeit

Die Entwicklungszusammenarbeit verdeutlicht wie kaum ein anderes Feld die Probleme und normativen Herausforderungen globaler Kooperation. Stellt sie für manche ein solidarisch gebotenes Grundelement der Weltinnenpolitik dar – und erscheint sie anderen als hegemoniales Instrument des Nordens. Wie auch immer man sich zu ihr stellt, kaum zu bestreiten ist, dass die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) ein zentrales Feld globaler Politik ausmacht. Unbestritten ist, dass die EZ derzeit eine Zeitenwende durchläuft, die eine neuartige und zunehmend verrechtlichte Global Governance-Architektur der internationalen Zusammenarbeit hervorbringt.

An dieser Stelle setzen unsere Forschungen an. Sie fragen, ob und inwiefern rechtliche Regeln die Entwicklungszusammenarbeit anleiten - und wollen insofern auch zur Verrechtlichung eines zentralen Feldes globaler Politik und seiner Kontrolle beitragen. Untersuchungen betreffen das einschlägige Recht der Weltbank, der EU oder der Bundesrepublik.

Veranstaltungen:

2019   Annual Conference of the Law and Development Research Network, further information here.
2018   Annual Conference of the ‘Law and Development Institute’ 
2014   

10. Global Administrative Law Seminar ‘Law and Global Governance of Development’ in Viterbo

2013  

Professor Dann hat zusammen mit den Professoren Davis und Kingsbury von der NYU School of Law eine internationale Konferenz zu "Innovation in Governance of Development Finance" organisiert. Das Programm findet sich hier. Den Konferenzbericht finden Sie hier.