Letzte Änderung: 22. Mai 2019

Aktuelles

Steuerung durch Recht? Auch eine Frage der (rechts-)wissenschaftlichen Kultur: Zu ihrer Erforschung startet an der juristischen Fakultät ein umfangreiches Kooperationsprojekt mit Indien.

 

Die Steuerung gesellschaftlicher Prozesse zur Erreichung gemeinwohlorientierter Ziele (sei es sozialer Ausgleich, ökologische Transformation, Gleichberechtigung oder Ähnliches) ist das Anliegen jedes Gemeinwesens. Welche Rolle das Recht in diesem Steuerungsprozess spielt, ist abhängig nicht nur vom Inhalt des Rechts, sondern auch (und vielleicht noch entscheidender) von den konkreten Rechts- und auch Rechtswissenschaftskulturen jeder Gesellschaft. Solchen Rechts- und Rechtswissenschaftskulturen in Indien und Deutschland und ihrer Relevanz für die Steuerung gesellschaftlicher Prozesse nachzugehen ist die zentrale Idee eines vielschichtigen Kollaborationsprojekts, das ab Juli 2019 am Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsvergleichung (Professor Dr. Philipp Dann) durchgeführt und vom DAAD umfangreich gefördert wird. Fast vier Jahre lang wird das Projekt den Austausch von Studierenden, Promovierenden und das gemeinsame Lehren zwischen der HU und drei indischen Partneruniversitäten ermöglichen und als Rahmen für einen vielstimmigen Forschungs- und Verständigungsprozess nutzen.

 

Das bislang umfangreichste Austauschprojekt zwischen einer deutschen juristischen Fakultät und indischen Hochschulen beruht auf zwei zentralen Prämissen. Zum einen geht es davon aus, dass die Reflexion der eigenen Wissensbestände und Wissenschaftskulturen eine zentrale Voraussetzung dafür ist, dass Wissenschaft gesellschaftliche Prozesse produktiv begleiten und beeinflussen kann – und damit auch rechtswissenschaftliche Erkenntnisse in rechtliche Steuerungsprozesse sinnvoll eingebracht werden können. Zum anderen hat das Projekt einen wesentlichen praxeologischen Ausgangspunkt: Die Reflexion eigener Wissensbestände und Wissenschaftskulturen, so die Annahme, erfolgt besonders produktiv in der nicht nur punktuellen und sporadischen, sondern der geduldigen, langfristigen Auseinandersetzung mit anderen. Diese Forschung und insbesondere Rechtsforschung kann den ‚Anderen‘ im interdisziplinären wie vergleichenden Austausch finden und davon immens profitieren. Dazu wird interdisziplinäre und vergleichende Rechtsforschung in einem bislang wenig reflektierten Verhältnis stattfinden, nämlich im Vergleich zwischen Indien und Europa. So ergeben sich wissenschaftliche Potentiale, die auf besonders innovative und zugleich für Forschung und Lehre verwertbare Erkenntnisse hoffen lassen.

 

Das Projekt knüpft an langjährige Kooperationen mit drei indischen Universitäten an und wurde in enger Zusammenarbeit mit ihnen ausgearbeitet: der Azim Premji University (APU) in Bangalore, der National Law University Delhi (NLUD) und der Jindal Global Law School (JGLS) im Umland von Delhi. Die drei Universitäten sind besonders attraktive Partnerinstitutionen, weil sie einen interdisziplinären Ansatz in ihrer Rechtsausbildung und Forschung verfolgen. Es ergänzt zudem bereits bestehende, von Professor Dann geleitete Projekte mit Indien-Schwerpunkt, wie die Workshop-Reihe des Indian European Advanced Research Networks (IEARN) oder jährliche Kurzzeitstipendien für indische Nachwuchswissenschaftler*innen, die seit mehreren Jahren für Forschungsaufenthalte an die HU kommen.

 

Das gemeinsame Projekt, deren wissenschaftliche und organisatorische Koordination von Tanja Herklotz übernommen werden wird, soll den Austausch zwischen der indischen und deutschen Rechtswissenschaft inhaltlich vorantreiben, personell erweitern und institutionell verstetigen. Es soll Formate schaffen, die es für den wissenschaftlichen Austausch mit anderen Ländern längst gibt. Dazu fußt es auf vier Säulen: einem Austauschprogramm, das Studierende, Promovierende und Lehrende an die HU einlädt und Studierenden und Promovierenden der HU mehrmonatige Forschungsaufenthalte an den indischen Partnerinstitutionen ermöglicht; jährlichen Workshops an einer der vier Partneruniversitäten; der Entwicklung und Unterrichtung gemeinsamer Lehrmodule und schließlich einem Postdoc-Forschungsprojekt, das sich vergleichend mit Rechtswissenschaftskulturen in Indien und Europa auseinandersetzen wird.

 

Studierende und Promovierende der HU, die sich für einen Gast- oder Forschungsaufenthalt an einer indischen Partneruniversität interessieren, finden in Kürze Informationen über den Bewerbungsvorgang auf der Website des Lehrstuhls für Öffentliches Recht und Rechtsvergleichung.

 

 

 

Exzellenzcluster “Contestations of the Liberal Script“ (SCRIPTS) mit Beteiligung von Prof. Philipp Dann als Principal Investigator bewilligt

Weltweite Herausforderungen für liberale Demokratie und Marktwirtschaft als Ordnungsmodell

Nach dem Ende des Kalten Krieges schien sich die liberale Demokratie endgültig durchgesetzt zu haben. Doch 25 Jahre später befindet sich das liberale Ordnungsmodell in einer tiefen Krise. Das Exzellenzcluster Contestations of the Liberal Script (SCRIPTS) untersucht die gegenwärtigen Auseinandersetzungen um die liberale Ordnung aus historischer, globaler und vergleichender Perspektive. Welche Ursachen haben die aktuellen Auseinandersetzungen um das liberale Skript, und welche Auswirkungen ergeben sich für die globalen Probleme des 21. Jahrhunderts? Das Cluster verbindet die in Berlin vorhandene Expertise in den Sozialwissenschaften und Regionalstudien und überbrückt dadurch vorherrschende methodische und institutionelle Trennungen. Neben der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Wissenschaftszentrum Berlin sind die Hertie School of Governance, das Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, das German Institute of Global and Area Studies, sowie das Leibniz-Zentrum Moderner Orient beteiligt. Über Forschungskooperationen in allen Weltregionen adressiert SCRIPTS die Vielfalt der Herausforderungen und ihre Verbindungen. Gleichzeitig setzt die Initiative auf eine enge Zusammenarbeit mit Praxisinstitutionen aus Politik und Kultur.

 

 

 

Aktuelle Veranstaltungen

 

 

Call for Papers - The Plurality of Law and Development. 4th annual conference of the Law and Development Research Network (LDRN) from 25-27 September 2019 at Humboldt University of Berlin. Organized and hosted by the Chair for Public Law and Comparative Law, Prof. Philipp Dann. The deadline for the submission of abstracts was 15 February 2019. Presenters have been notified. Late submissions can no longer be accepted.

Confirmed keynote speakers include: Justice Madan Lokur (Former Judge at the Supreme Court of India), Prof. Katharina Pistor (Columbia Law School), Prof. David Trubek (University of Wisconsin Law School).

More information and registration for presenters and participants here.

 

Konferenzbegleitende BZQ-1 Veranstaltung für Studierende:

10 524: Wissenschaftskommunikation und Konferenzmanagement für die vierte Konferenz des internationalen Netzwerks für Recht und Entwicklung an der Humboldt-Universität zu Berlin; 4 LP; Einführungsveranstaltung am 17.6.2019, 16-18 Uhr; UL 6, 2002

Anmeldung bis 2.6.2019 per Email mit Name, Fachsemester und Matrikelnummer an: thomas.dollmaier@rewi.hu-berlin.de

Mehr Informationen hier.

 

Aktuelle Publikationen

 

Bildergebnis für Interdisziplinäre Forschung zur Globalisierung und Europäisierung des Rechts. Das Beispiel der Meinungsfreiheit im Internet, in: Christian Boulanger/Julika Rosenstock/Tobias Singelnstein (Hrsg.), Interdisziplinäre Rechtsforschung. Eine Einführung, Wiesbaden: Springer VS, 2019  

Michael Riegner, Interdisziplinäre Forschung zur Globalisierung und Europäisierung des Rechts. Das Beispiel der Meinungsfreiheit im Internet, in: Christian Boulanger/Julika Rosenstock/Tobias Singelnstein (Hrsg.), Interdisziplinäre Rechtsforschung. Eine Einführung, Wiesbaden: Springer VS, 2019 - verfügbar hier 

The Globalisation of Urban Governance: 1st Edition (Hardback) book cover   Michael Riegner, International Institutions and the City: Towards a Comparative Law of Glocal Governance, in: Helmut Aust/Anel du Plessis (Hrsg.), The Globalization of Urban Governance - Legal Perspectives on the Implementation of Sustainable Development Goal 11, London: Routledge, 2019 - available here
 

Tanja Herklotz. Feminist Dilemmas: The Challenges in Accommodating Women’s Rights within Religion-Based Family Law in India. Rapoport Center Human Rights Working Paper Series 2/2018

 

Winner of the third place in the the 2017 Audre Rapoport Prize for Scholarship on Gender and Human Rights (available here)

 

 

Tanja Herklotz. Law, Religion and Gender Equality: Literature on the Indian Personal Law System from a Women's Rights Perspective, Indian Law Review 2018.

 

Winner of the Indian Law Review Literature Review Prize 2017 (available here)

 

Informationsverwaltungsrecht internationaler Institutionen   Michael Riegner, Informationsverwaltungsrecht internationaler Institutionen, Tübingen: Mohr Siebeck, 2017, verfügbar hier
 

Maxim Bönnemann/Laura Jung, Critical Legal Studies and Comparative Constitutional Law,

Max Planck Encyclopedia of Comparative Constitutional Law, Oxford University Press 2017

(available here).

 

Philipp Dann/Maxim Bönnemann/Tanja Herklotz, Of Apples and Mangoes: Comparing the European Union and India,

Indian Yearbook of Comparative Law 2016, S. 3 - 20, Oxford University Press 2017 (available here).

 

Philipp DannThe Global Administrative Law of Development Cooperation,

in: Sabino Cassese (Ed.), Research Handbook on Global Administrative Law, 

London 2016

 

Michael Riegner, Legal frameworks and general principles for indicators in sovereign debt restructuring, Yale Journal of International Law 41 (2016), 141-175, available here

 

 

 

 

 

 

  Michael Riegner, Governance Indicators in the Law of Development Finance: A Legal Analysis of the World Bank’s “Country Policy and Institutional Assessment”, Journal of Internat’l Economic Law 19 (2016), 1-26
  Michael Riegner, Implementing the “Data Revolution” for the Post-2015 Sustainable Development Goals - Toward a Global Administrative Law of Information, in: Boisson de Chazournes/Davis/Fariello (eds), World Bank Legal Review 7, Washington D.C., 2016, 17-39, available here
   Tanja Herklotz, Dead Letters? The Uniform Civil Code through the Eyes of the Indian Women's Movement and the Indian Supreme Court, VRÜ 49 (2016) (available here)
      

Philipp Dann, »Entwicklung und Recht. Eine systematische Einführung«,

Baden-Baden 2014, 800 S. (zusammen mit Stefan Kadelbach

und Markus Kaltenborn)

 

 

 

 

 

 

 

 

   

Philipp Dann, »The Law of Development Cooperation. A comparative analysis of World Bank, EU and Germany«,

Cambridge University Press, Cambridge 2013, 592 S.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

     
     
     
     

 

Archiv

 

Konferenz zum Thema: "The Future of Law: Technology, Innovation and Access to Justice", Mittwoch, den 28. November und Donnerstag, den 29. November ab 08.30 Uhr, Unter den Linden 6, Mamorsaal

 

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VRÜ Scholarship: The Chair for Public and Comparative Law at Humboldt University Berlin (Prof. Dr. Philipp Dann) in collaboration with the journal  VRÜ  /  Law  and  Politics  in  Africa,  Asia  and  Latin America offers two short-term research scholarships for emerging legal scholars from India. Scholarship  holders will spend two months  (mid October till mid December 2018)  in Berlin  in order to work on a self-chosen research project. They  will be part of a vibrant research community around Professor Philipp Dann and interact with German as well as international researchers at the Chair. The Call for Applications can be found here.

 

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Society, Law and Development (englisch), 2 SWS, 5 LP, Do, 16-18, wöch, UL 9, E14, S. de Souza, T. Dollmaier, Agnes Course Number: 21811609

Do legal institutions set up the (global) rules of the game? And does law matter for making people’s lives better? This interdisciplinary research seminar (Q-Team) seeks to introduce students to the interconnections between legal orders and economic development through a focus on theories, contestations, and actors. Students will examine the various roles that law and legal institutions play in economic, social and political development, and thereby critically unpack the multifaceted concept of ‘development’.

The first part of the course will provide a theoretical foundation by reflecting on the different approaches taken during the Law and Development movement until today. The second part will include thematic sessions with case studies, each of which will relate to one overarching development theme, like ‘progress’, ‘poverty’ or ‘contestation’. In between the thematic sessions, selected guest speakers will share practical insights from their work in the field of development cooperation. These guest lectures will closely connect to phenomena and case studies discussed in class.

The teaching approach of this seminar encourages students to formulate and execute their own individual research project. This will include individual work and teamwork on selected readings and research questions as well as writing and presenting a short blog post for a Law and Development Blog, that will be launched as part of this seminar.

The number of participants is limited for this course. Interested candidates with a law (Rechtswissenschaft), social science (Politikwissenschaft und Soziologie) or economics (Volkswirtschaftslehre) background are asked to sign up by sending a short email stating their motivation and faculty association by 6th April 2018 to siddharth.de.souza@rewi.hu-berlin.de and thomas.dollmaier@rewi.hu-berlin.de . Participants will be awarded 5 credits for this course.

 

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"Shaping Law. Shaping Gender: Experiences from India”: The Chair for Public Law and Comparative Law will host a conference titled "Shaping Law. Shaping Gender: Experiences from India” from 11-13 October 2018. The Call for Papers can be accessed here.